Ästhetik.Kultur.Kritik – Ästhetische Erfahrung im Kapitalozän

Vor­trags­rei­he | Dezem­ber 2023 bis Juni 2024

*UPDATE: der Vor­trag von Jen­ny Nach­ti­gall am 27. Juni muss lei­der ent­fal­len*
Lei­der wird der Vor­trag von Jen­ny Nach­ti­gall „Form, Eigen­tum und der eigen­wil­li­ge Vita­lis­mus einer mate­ria­lis­ti­schen Ästhe­tik“, der für kom­men­den Don­ners­tag (27.06.24) ange­setzt war, nicht wie geplant statt­fin­den kön­nen. Ihr erfahrt hier und über unse­re Social Media-Kanä­le, falls der Vor­trag in einem ande­ren Set­ting nach­ge­holt wer­den kann.

Das Bewusst­sein davon, dass wir mit der durch die kapi­ta­lis­ti­sche Ver­wer­tungs­lo­gik pro­du­zier­ten Kli­ma­ka­ta­stro­phe in das Zeit­al­ter des Kapi­talo­zäns ein­ge­tre­ten sind, hat sich auch in der Kunst nie­der­ge­schla­gen. Kon­kret zeigt sich dies mit Blick auf die kri­ti­sche Ver­hand­lung der Auf­fas­sung davon, was gewöhn­lich in dem Begriff der ›Ver­mitt­lung von Geist und Natur‹ zum Aus­druck kommt. Was kann – und mit­un­ter muss – in einer ästhe­ti­schen Erfah­rung heu­te erschlos­sen wer­den? Die Vor­trags­rei­he wird die­sen Zugang mit­hil­fe ver­schie­de­ner Ansät­ze gegen­wär­ti­ger Ästhe­tik kri­tisch befragen. 

Denn mit dem Bewusst­sein der vom Kapi­tal gemach­ten Kli­ma­ka­ta­stro­phe ist zwar auch die Mög­lich­keit gege­ben, die Logik zer­stö­re­ri­scher Natur­be­herr­schung zu durch­bre­chen. »Ange­sichts sol­cher Mög­lich­keit aber«, mit den bekann­ten, die Theo­rie der Kul­tur­in­dus­trie ein­lei­ten­den Wor­ten von Theo­dor W. Ador­no und Max Hork­hei­mer gespro­chen, »wan­delt im Dienst der Gegen­wart Auf­klä­rung sich zum tota­len Betrug der Mas­sen um.« Mit der Fra­ge nach dem, was eine ästhe­ti­sche Erfah­rung im Kapi­talo­zän zu erschlie­ßen fähig ist, wird die Vor­trags­rei­he zugleich danach fra­gen, was sie zu ver­schlie­ßen fähig ist: Es sind die von der Ästhe­tik betrach­te­ten Zugän­ge, in denen sich die­ser Betrug voll­zie­hen lässt.


Programm


[1] „Gemein­sinn: Kant über die Kunst des Gat­tungs­we­sens“ | Vor­trag von Tho­mas Khurana

Diens­tag, 12.12.24 um 18 Uhr (c.t.)

Raum: Casi­no 1.812 (IG-Far­ben-Cam­pus)

Mode­ra­ti­on: Fran­zis­ka Wildt

[2] „Dar­stel­lun­gen des Natur­ver­hält­nis­ses“ | Podi­um mit Julia­ne Reben­tisch & Chris­toph Menke

Mitt­woch, 17.01.24 um 18 Uhr (c.t.)

Raum: Casi­no 1.811 (IG-Far­ben-Cam­pus)

Mode­ra­ti­on: Nathan Taylor

[3] „Die Kon­zep­ti­on der Kul­tur­in­dus­trie in der frü­hen Kri­ti­schen Theo­rie: Grund­la­gen und Aktua­li­tät“ | Work­shop mit Susan­ne Martin

Frei­tag, 02.02.24 von 12:00 – 16:00 Uhr

Raum: Sit­zungs­saal I – Insti­tut für Sozi­al­for­schung (IfS)

Anmel­dung unter: info@forumkw.de

[4] „Zur Poli­ti­schen Öko­no­mie der Medi­en und Grund­ris­se einer Wert­theo­rie der Kunst“ | Podi­um mit Isa­bel­le Graw & Chris­ti­an Fuchs

Don­ners­tag, 06.06.24 um 18 Uhr (c.t.)

Raum: PEG 1G.191 (IG-Far­ben-Cam­pus)

Mode­ra­ti­on: Eli­as Schedler

[5] „Form, Eigen­tum und der eigen­wil­li­ge Vita­lis­mus einer mate­ria­lis­ti­schen Ästhe­tik“ | Vor­trag von Jen­ny Nachtigall

Mit einer Respon­se von Simon Gurisch

Don­ners­tag, 27.06.24 um 18 Uhr (c.t.)

Raum: PEG 1G.191 (IG-Far­ben-Cam­pus)

Mode­ra­ti­on: Nils Fock



[1] Thomas Khurana: »Gemeinsinn: Kant über die Kunst des Gattungswesens«

Diens­tag, 12.12.2023 | 18:00 (c.t.) | Casi­no 1.812 (IG-Far­ben Cam­pus, Goethe-Universität)

Mode­ra­ti­on: Fran­zis­ka Wildt

In »Gemein­sinn: Kant über die Kunst des Gat­tungs­we­sens« wird Tho­mas Khurana der Ver­mitt­lung von Geist und Natur in der ästhe­ti­schen Erfah­rung und dem aus ihr resul­tie­ren­den ästhe­ti­schen Urteil nach­ge­hen. In sei­ner drit­ten Kri­tik ent­wi­ckelt Kant Über­le­gun­gen zu einer durch Kunst her­vor­ge­brach­ten Natur, die sich dadurch aus­zeich­net, geis­tig her­vor­ge­bracht zu sein und zugleich die Erfah­rung einer ande­ren Natur zu ermög­li­chen, die das Begriffs­ver­mö­gen über­schrei­tet. Kants Bestim­mung des ästhe­ti­schen Urteils zeigt so ein Ver­hält­nis des Geis­tes zu sich selbst, zur Natur und einer Form der Sozia­li­tät auf, das im Begriff des Gat­tungs­we­sens zusam­men­läuft, den Khurana bis­her bei Marx und Hegel ver­folgt hat. Denn die­ser Begriff zeich­net sich zum einen durch sei­ne die anthro­po­zen­tri­sche Sicht­wei­se tran­szen­die­ren­de Offen­heit gegen­über der natür­li­chen Exis­tenz des Geis­tes aus und wird zum ande­ren auch von Marx mit der Fähig­keit zu ästhe­ti­schen Urtei­len erläu­tert. Im Vor­trag wird die­se Idee nun an Kant selbst nach­voll­zo­gen und ver­han­delt, inwie­weit der Begriff des Gat­tungs­we­sens im Lich­te aktu­el­ler Dia­gno­sen des Kapi­talo­zäns als eine von die­sem Gat­tungs­we­sen wesent­lich ent­frem­de­te Gegen­wart zu refor­mu­lie­ren wäre.


[2] Juliane Rebentisch und Christoph Menke im Gespräch mit Nathan Taylor: »Darstellungen des Naturverhältnisses«

Mitt­woch, 17.01.2024 | 18:00 (c.t.) | Casi­no 1.811 (IG-Far­ben Cam­pus, Goethe-Universität)

Mode­ra­ti­on: Nathan Taylor

Mit dem Begriff des Kapi­talo­zäns geht gemein­hin ein Urteil des Schei­terns der herr­schen­den Ver­mitt­lungs­lo­gik von Geist und Natur ein­her. Die­ses stellt somit auch bis­he­ri­ge Bestim­mun­gen des Natur­ver­hält­nis­ses grund­le­gend infrage.

Seit der Moder­ne wird das Natur­ver­hält­nis in der phi­lo­so­phi­schen Ästhe­tik häu­fig in den Begrif­fen des ›Natur­schö­nen‹ und des ›Erha­be­nen‹ ver­han­delt. Ers­te­rer bringt ein har­mo­ni­sches Zusam­men­spiel von Geist und Natur inner­halb ihrer bestehen­den Ver­mitt­lung zur Spra­che. Letz­te­rer hin­ge­gen will deren Dis­har­mo­nie als Erfah­rung einer ver­meint­li­chen Über­le­gen­heit des Geis­tes gegen­über der Natur begreifen. 

Wenn die herr­schen­de Ver­mitt­lungs­lo­gik von Geist und Natur – und mit ihr die Bestim­mun­gen des Natur­schö­nen und des Erha­be­nen – im Kapi­talo­zän nun pro­ble­ma­tisch wer­den, so muss das Natur­ver­hält­nis auf eine aus jenen klas­si­schen Kate­go­rien hin­aus­füh­ren­de Wei­se neu gedacht wer­den. Die­se grund­le­gen­de Auf­ga­be teilt sich die phi­lo­so­phi­sche Ästhe­tik mit ande­ren Dis­zi­pli­nen. Doch nimmt nur sie dabei aus­drück­lich und pri­mär zum Gegen­stand, was in bestimm­ten Natur­ver­hält­nis­sen wie zur Dar­stel­lung kommt. Damit ist sie ent­schei­dend an der Her­aus­bil­dung einer ande­ren Auf­fas­sung und Erfah­rung von Natur beteiligt.

Die zwei­te Ver­an­stal­tung unse­rer Rei­he »Ästhetik.Kultur.Kritik. Ästhe­ti­sche Erfah­rung im Kapi­talo­zän« the­ma­ti­siert »Dar­stel­lun­gen des Natur­ver­hält­nis­ses«, in wel­chen die Mensch-Tier-Bezie­hung zum Aus­druck kommt. Julia­ne Reben­tisch und Chris­toph Men­ke spre­chen über Per­spek­ti­ven, Natur jen­seits ihrer gewöhn­li­chen Ent­ge­gen­set­zung zum Geist zu den­ken, die sich in der Betrach­tung bestimm­ter Dar­stel­lun­gen des Tie­ri­schen durch den Men­schen eröff­nen – und dar­über, war­um die Küns­te hier­für unver­zicht­bar sind.


[3] Susanne Martin: »Die Konzeption der Kulturindustrie in der frühen Kritischen Theorie: Grundlagen und Aktualität«

Frei­tag, 02.02.2024 | 12:00 – 16:00 (c.t.) | Sit­zungs­saal des IfS (Sen­cken­berg­an­la­ge 26, 60325 Bockenheim).

Unter dem Begriff Kul­tur­in­dus­trie haben Hork­hei­mer und Ador­no die Kom­mo­di­fi­zie­rung der Pro­duk­ti­on und Rezep­ti­on kul­tu­rel­ler Erzeug­nis­se ana­ly­siert. Ihre Kri­tik rich­te­te sich dabei gegen die inte­gra­ti­ve Kraft der Kul­tur­in­dus­trie, durch die die Sub­jek­te im Zuge des Kon­sums in die gesell­schaft­li­che Ord­nung ein­ge­glie­dert wer­den. In die­sem Licht ent­puppt sich die Kul­tur­in­dus­trie als ein vor­ran­gi­ger Bereich der ideo­lo­gi­schen Herr­schafts­sta­bi­li­sie­rung im Spätkapitalismus.

Wie wird die­ser Befund begrün­det und wel­che Rele­vanz hat er heu­te ange­sichts eines weit­rei­chend ver­än­der­ten kul­tu­rel­len Ange­bots und Kon­sums? Um die­se über­ge­ord­ne­ten Fra­gen des Work­shops zu beant­wor­ten, wer­den wir in einem ers­ten Schritt zen­tra­le Argu­men­ta­ti­ons­li­ni­en des Kapi­tels »Kul­tur­in­dus­trie. Auf­klä­rung als Mas­sen­be­trug« der Dia­lek­tik der Auf­klä­rung rekon­stru­ie­ren. In einem zwei­ten Schritt soll anhand selbst­ge­wähl­ter Gegen­warts­phä­no­me­ne die Aktua­li­tät der Kul­tur­in­dus­trie­kri­tik aus­ge­lo­tet wer­den. Basis bil­den die Dis­kus­si­on ein­schlä­gi­ger Text­pas­sa­gen sowie Inputs zur Ent­ste­hungs- und Rezep­ti­ons­ge­schich­te der Theo­rie. Das abschlie­ßen­de Ziel des Work­shops ist es, Über­le­gun­gen zu einer zeit­ge­mä­ßen Kul­tur­kri­tik im Anschluss an die frü­he Kri­ti­sche Theo­rie anzustellen.

Text­grund­la­ge: Hork­hei­mer, Max & Ador­no, Theo­dor W. (1944), Kul­tur­in­dus­trie. Auf­klä­rung als Mas­sen­be­trug, in: Max Hork­hei­mer Gesam­mel­te Schrif­ten Bd. 5: Dia­lek­tik der Auf­klä­rung und Schrif­ten 1940 – 1950, hg. v. Gun­ze­lin Schmid Noerr, Frank­furt 1987: Fischer, 144 – 196.

Um Anmel­dung wird gebe­ten unter: info@forumkw.de (wir schi­cken dann ger­ne eine PDF-Ver­si­on des Kapi­tels zum Ein­le­sen zu).


[4] „Zur Politischen Ökonomie der Medien und Grundrisse einer Werttheorie der Kunst“ | Podium mit Isabelle Graw & Christian Fuchs

Don­ners­tag, 06.06.24 um 18 Uhr (c.t.)

Raum: PEG 1G.191 (IG-Far­ben-Cam­pus)

Mode­ra­ti­on: Eli­as Schedler

In Gestalt einer digi­ta­len Klas­sen­ge­sell­schaft, ver­än­der­ter Mecha­nis­men von Herr­schaft und neu­er For­men ent­frem­de­ter Arbeit keh­ren im Zei­chen des Digi­ta­len eta­blier­te Ant­ago­nis­men des Kapi­ta­lis­mus wie­der. Um die­se Phä­no­me­ne und Ent­wick­lun­gen unse­rer Gegen­wart genau­er zu ver­ste­hen, unter­sucht Chris­ti­an Fuchs in sei­nem Vor­trag eini­ge Grund­la­gen der Kri­tik der Poli­ti­schen Öko­no­mie des digi­ta­len Kapi­ta­lis­mus. Exem­pla­risch wird er dabei auf Kon­zep­te von Karl Marx und Theo­dor W. Ador­no ein­ge­hen und nach deren Rele­vanz für eine Gegen­warts­ana­ly­se des digi­ta­len Kapi­ta­lis­mus fragen.

Im zwei­ten Teil wird Isa­bel­le Graw ihre an Marx ange­lehn­ten wert­theo­re­ti­schen Über­le­gun­gen zur zeit­ge­nös­si­schen Kunst prä­sen­tie­ren. Sie knüpft damit an die ästhe­ti­sche Beob­ach­tung an, wonach die bür­ger­li­che Kunst seit jeher durch den Umstand bestimmt ist, Ware zu sein und zugleich die­sen Waren­cha­rak­ter durch künst­le­ri­sche Auto­no­mie zu negie­ren. Nach Marx beruht der Wert der gewöhn­li­chen Ware auf kon­kre­ter Arbeit, abs­tra­hiert jedoch zugleich von die­ser Arbeit. In der Ana­ly­se künst­le­ri­scher Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se geht Graw der Fra­ge nach der spe­zi­fi­schen Ver­ge­gen­ständ­li­chung künst­le­ri­scher Arbeit am Bei­spiel von Pie­ro Man­zo­ni und Robert Mor­ris nach. Die­se ver­han­deln ihre eige­ne Wert­form, indem sie das fer­ti­ge Pro­dukt und sei­nen Her­stel­lungs­pro­zess in Koprä­senz ausstellen.


[5] „Form, Eigentum und der eigenwillige Vitalismus einer materialistischen Ästhetik“ | Vortrag von Jenny Nachtigall

Mit einer Respon­se von Simon Gurisch

Don­ners­tag, 27.06.24 um 18 Uhr (c.t.)

Raum: PEG 1G.191 (IG-Far­ben-Cam­pus)

Mode­ra­ti­on: Nils Fock

Mit dem Ziel einer His­to­ri­sie­rung aktu­el­ler Debat­ten um Kunst und Eigen­tum wer­den in »Form, Eigen­tum und der eigen­wil­li­ge Vita­lis­mus einer mate­ria­lis­ti­schen Ästhe­tik« ver­schie­de­ne mate­ria­lis­ti­sche Gegen­mo­del­le zum pos­ses­si­ven For­ma­lis­mus der Kunst­ge­schich­te vor­ge­stellt. Gemein­sam ist die­sen Model­len zwar eine Ori­en­tie­rung an Fra­gen des Lebens und des Leben­di­gen. Dar­aus folgt jedoch nicht, dass der Kunst eine onto­lo­gi­sche Alteri­tät oder Vita­li­tät zuge­schrie­ben wird. Die­se ›ande­re Tra­di­ti­on‹ fasst Jen­ny Nach­ti­gall als Ansatz eines eigen­wil­li­gen Vita­lis­mus (›way­ward vitalism‹).

way­ward vita­lism‹ soll damit nicht als ein fixer Begriff fest­ge­schrie­ben wer­den. Viel­mehr soll er in sei­ner Vor­läu­fig­keit dabei hel­fen, ein ästhe­ti­sches Ver­hält­nis zum Leben ins Spiel brin­gen, das jen­seits der (bis heu­te von Kunst­ge­schich­te und dem Muse­um auf­recht­erhal­ten­den) Grenz­zie­hun­gen der Moder­ne, For­men von Gemein­schaft­lich­keit, kol­lek­ti­ven Machens/Nichtmachens, oder des Pro­tests umfas­sen kann. Was wird erzähl­bar, wenn wir die­se ›ande­re Tra­di­ti­on‹ in den Blick neh­men – und was fehlt?

Vorankündigungen

Aktu­ell berei­ten wir die Durch­füh­rung einer Ver­an­stal­tungs­rei­he zu Ästhe­tik und Kul­tur­in­dus­trie vor. Die Rei­he soll im Dezem­ber die­ses Jah­res (2023) begin­nen und vier Ver­an­stal­tun­gen umfas­sen. Kon­kre­te Ankün­di­gun­gen zu den Ver­an­stal­tun­gen wer­den wir recht­zei­tig hier und über unse­re Face­book-Sei­te und twit­ter bekannt geben. Wir freu­en uns auf inter­es­san­te Aben­de mit euch!

Marx-Tagung »Die Zeit des Kapitals«

Dem Zeit­be­griff scheint kei­nes­wegs eine her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung in Marx’ Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie zuzu­kom­men. So ent­wi­ckelt Marx im Kapi­tal kei­nen all­ge­mei­nen Begriff der Zeit, son­dern die spe­zi­fi­sche Zeit­lich­keit, in der das Kapi­tal in den ver­schie­de­nen Sphä­ren pro­zes­siert, erweist sich viel­mehr nur als Moment in der kon­kre­ten Ana­ly­se der jewei­li­gen Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se und Zir­ku­la­ti­ons­ak­te in ihrem Zusam­men­hang. Wie lässt sich vor die­sem Hin­ter­grund die spe­zi­fi­sche Zeit­lich­keit des moder­nen Kapi­ta­lis­mus genau­er ver­ste­hen? Wird sie von Zeit­dia­gno­sen der Kri­ti­schen Theo­rie rich­tig bestimmt, wenn Georg Lukács und Wal­ter Ben­ja­min die Zeit des Kapi­ta­lis­mus als eine gleich­för­mig-homo­ge­ne, abs­trak­te und lee­re Zeit rekon­stru­ie­ren? Und wie ver­hal­ten sich die­se Bestim­mun­gen zu dem mar­xis­ti­schen Gedan­ken, wonach kul­tu­rel­le und poli­ti­sche Phä­no­me­ne mit der öko­no­mi­schen Grund­struk­tur ver­ein­bar sein müs­sen, um nicht zu ver­schwin­den? Das Ver­ständ­nis davon, was wir ›Zeit‹ nen­nen, hat sich über die Jahr­hun­der­te eben­so gewan­delt wie ihre gesell­schaft­li­che Funk­ti­on und die Wei­se, in der wir sie erfah­ren. Inwie­weit kann die Marx­sche Öko­no­mie­kri­tik dazu bei­tra­gen, die Zeit im Kapi­ta­lis­mus genau­er zu verstehen?

Programm

Frei­tag, 10. Mai 2019

10:00 – 10:30       Eröffnung

10:30 – 12:30       Semi­nar­pha­se I

*** Mittagessen ***

13:30 – 15:00       Panel I: 

Pau­la Rau­ha­la (Tam­pe­re): Labor theo­ry of value and the pro­blem of the mea­su­re­ment of labor time

Nad­ja Rako­witz & NN von der Marx Bri­ga­de (Frank­furt): ›Zeit‹ in der frü­hen Schrift von Marx über Epi­kur und Demokrit

*** Kaffeepause *** 

15:30 – 17:00       Panel II:  Jan Völ­ker (Ber­lin): Geschich­te der Scheinzeit

17:30 – 19:00       Key­note I:  A. Kiari­na Kor­de­la (Saint Paul, MN): Marx’s Times: a Mate­ria­list Theo­ry of Tem­po­ra­li­ty
Respon­se: Pau­la Rau­ha­la

Im Anschluss:   Emp­fang (Fest­saal)

20:30                 Auf­tritt des Aka­de­mi­schen Arbei­ter­lie­der­chors (Fest­saal)

Sams­tag, 11. Mai 2019

10:30 – 12:30       Semi­nar­pha­se II

*** Mittagessen ***

13:30 – 15:00       Panel III:  Frank Engs­ter (Ber­lin): Geld, Maß und Zeit

*** Kaffeepause ***

15:30 – 17:00       Panel IV: Nad­ja Rako­witz (Frank­furt): Kreis­lauf, Bewe­gung und Ver­knö­che­rung. Bedeu­tung der Zeit im Bd. 2 der Kri­tik der poli­ti­schen Öko­no­mie von Karl Marx

17:30 – 19:00       Key­note IIMicha­el Hein­rich (Ber­lin): Zeit­lich­keit und kapi­ta­lis­ti­sche Vergesellschaftung

*** Abendessen ***

Im Anschluss:    Bar­a­bend (Café KoZ)

Die Vor­trä­ge und Key­notes fin­den im Fest­saal, die Lek­tü­re­se­mi­na­re in den Räu­men K 2 und K 4 des Stu­die­ren­den­hau­ses auf dem Cam­pus Bocken­heim statt.

Meron Mendel: Rechte Tendenzen in Europa und Deutschland

Abschluss­ver­an­stal­tung der Rei­he „Dis­play – Gegen­wart im Kontext“

07.02.2018 um 19:00 Uhr // NG 1741b (IG Neben­ge­bäu­de) // IG Far­ben Campus

Seit Dezem­ber ist in Öster­reich mit der FPÖ eine offen ras­sis­ti­sche Par­tei in der Bun­des­re­gie­rung ver­tre­ten. Über­ra­schend ist das nicht: Rech­te und rechts­ra­di­ka­le Par­tei­en bekom­men über­all in Euro­pa Auf­wind und sind in eini­gen Län­dern sogar an Regie­run­gen betei­ligt. Bür­ger­lich-demo­kra­ti­sche Insti­tu­tio­nen schei­nen grund­le­gend in die Kri­se gera­ten zu sein. Für vie­le Men­schen ist die Zunah­me rech­ter Gesin­nung auch ein mani­fes­ter Fak­tor im All­tag: Geflüch­te­te, Jüdin­nen und Juden und Peo­p­le of Color wer­den immer häu­fi­ger Opfer rech­ter Gewalt. In Deutsch­land wird nicht nur auf der Ebe­ne der Par­tei­en­po­li­tik, son­dern auch in vie­len zivil­ge­sell­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen über den rich­ti­gen Umgang mit Rech­ten gestrit­ten: In der Uni­ver­si­tät, in den Thea­tern, bei den Gewerk­schaf­ten oder auf der Buch­mes­se. Zum Abschluss der Ver­an­stal­tungs­rei­he „Dis­play – Gegen­wart im Kon­text“ möch­ten wir die­se Fra­gen auf­grei­fen und gemein­sam über Ursa­chen der gegen­wär­ti­gen Rechts­ent­wick­lung und mög­li­che Gegen­stra­te­gien sprechen.

Unser Gast ist Dr. Meron Men­del, Direk­tor der Bil­dungs­stät­te Anne Frank.

Ver­an­stal­tet durch die Gast­pro­fes­sur für kri­ti­sche Gesell­schafts­theo­rie am FB 03 und das Forum kri­ti­scher Wissenschaften.

Zur Rei­he:

Mel­dun­gen über den auto­ri­tä­ren Umbau inner- und außer­eu­ro­päi­scher Staa­ten flim­mern täg­lich über die Bild­schir­me. Welt­wei­te Pro­tes­te und sich immer wie­der neu for­mie­ren­de sozia­le Bewe­gun­gen wer­den in der Pres­se und in sozia­len Netz­wer­ken rund um die Uhr dis­ku­tiert. Eine gesell­schafts­theo­re­tisch infor­mier­te Ana­ly­se die­ser Ereig­nis­se bleibt im gegen­wär­ti­gen öffent­li­chen und media­len Dis­kurs jedoch weit­ge­hend aus. Was kön­nen die kri­ti­schen Wis­sen­schaf­ten für das Ver­ständ­nis sol­cher aktu­el­len poli­ti­schen Gescheh­nis­se bei­tra­gen? Anlie­gen der Ver­an­stal­tungs­rei­he ist es, sich in einer offe­nen Dis­kus­si­on mit loka­len Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus unter­schied­li­chen Fach­ge­bie­ten die­se kom­ple­xen The­men zu erschlie­ßen. Dabei soll zugleich das Poten­ti­al kri­ti­scher Gesell­schafts­theo­rie zur Ana­ly­se sozia­ler Ent­wick­lun­gen und Pro­ble­me der Gegen­wart befragt und die Aus­ein­an­der­set­zung mit aktu­el­len poli­ti­schen Fra­gen als Teil der aka­de­mi­schen Pra­xis ver­an­kert werden.

Die aktu­el­len The­men und Referent*innen wer­den jeweils kurz­fris­tig bekannt gegeben.

BDS & Co. Boykottkampagnen gegen Israel und ihre Hintergründe

Diens­tag, 30. Janu­ar 2018 // 19:00 Uhr // Café KoZ // Cam­pus Bockenheim

Isra­el ist nicht nur immer wie­der ter­ro­ris­ti­schen Angrif­fen durch isla­mis­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen wie die Hamas und den Isla­mi­schen Dschi­had aus­ge­setzt, son­dern wird zuneh­mend auch mit Kam­pa­gnen zu sei­ner Dämo­ni­sie­rung und Dele­gi­ti­mie­rung kon­fron­tiert. So for­dert bei­spiels­wei­se die nicht nur in den paläs­ti­nen­si­schen Gebie­ten, son­dern auch in vie­len ande­ren Län­dern agie­ren­de BDS-Bewe­gung einen umfas­sen­den Boy­kott des jüdi­schen Staa­tes sowie Kapi­tal­ab­zug, Embar­gos und Zwangs­maß­nah­men – auf wirt­schaft­li­chem, poli­ti­schem, aka­de­mi­schem und künst­le­ri­schem Gebiet. Sie gibt dabei vor, für die Men­schen­rech­te ein­zu­tre­ten, hat jedoch nicht weni­ger zum Ziel als die „Befrei­ung ganz Paläs­ti­nas“, das heißt: eine Kein-Staat-Israel‑Lösung.
Die Akti­vis­ten die­ser Bewe­gung sind gut ver­netzt und ver­fü­gen über Ein­fluss, der bis in wich­ti­ge Nicht­re­gie­rungs- und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­onen sowie in Gre­mi­en der Ver­ein­ten Natio­nen hin­ein­reicht. In der Öffent­lich­keit und den Hoch­schu­len sind sie eben­falls äußerst prä­sent, vor allem in Groß­bri­tan­ni­en und den USA. Die EU-Kom­mis­si­on hat ihnen Ende 2015 sogar einen ihrer größ­ten Wün­sche erfüllt, indem sie eine beson­de­re Kenn­zeich­nungs­pflicht für Pro­duk­te israe­li­scher Fir­men beschloss, die ihren Stand­ort im West­jor­dan­land, in Ost­je­ru­sa­lem oder auf den Golan­hö­hen haben. Es ist dies die Vor­stu­fe zu einem offe­nen Boykott.
In sei­nem Vor­trag wird Alex Feu­er­herdt die zwei­fel­haf­ten Hin­ter­grün­de und Aus­wir­kun­gen die­ser Boy­kott- und Dele­gi­ti­mie­rungs­kam­pa­gnen ana­ly­sie­ren, einen Über­blick über ihre Akteu­re geben und erör­tern, wel­che Rol­le und wel­ches Gewicht den NGOs dabei zukommt. Zudem wird er prü­fen, wel­che Zie­le die gegen den jüdi­schen Staat gerich­te­ten „Lawfare“-Bestrebungen haben und wel­ches Ver­ständ­nis von den Men­schen­rech­ten ihnen zugrun­de liegt.

Zum Refe­ren­ten: Alex Feu­er­herdt ist frei­er Publi­zist und lebt in Köln. Er arbei­tet schwer­punkt­mä­ßig zu den The­men Isra­el, Nah­ost, Anti­se­mi­tis­mus und Fuß­ball und schreibt regel­mä­ßig unter ande­rem für die Jüdi­sche All­ge­mei­ne, n‑tv.de, die Jungle World und Kon­kret. Außer­dem ist er der Betrei­ber des Blogs Lizas Welt.

Alenka Zupančič: »What is sex?« – Philosophy and Psychoanalysis

Mitt­woch, 13. Dezem­ber 19:00 Uhr // Cas 1.811 // IG-Far­ben‑Campus

In her talk Alen­ka Zupančič will dis­cuss the encoun­ter bet­ween psy­cho­ana­ly­sis and phi­lo­so­phy at the points whe­re the two seem to be the most incom­pa­ti­ble. Sex (and psy­cho­ana­ly­tic theo­ry of sexua­li­ty) is some­thing that phi­lo­so­phy usual­ly does­n’t know what to do with. And onto­lo­gy (as sci­ence of pure being) is some­thing that psy­cho­ana­ly­sis does­n’t know what to do with. The pro­ject of the book »What is sex?« is to take the­se two noti­ons and cast them in the oppo­si­te camps. That is to say to take sex as the pro­per­ly onto­lo­gi­cal ques­ti­on of psy­cho­ana­ly­sis, and to pur­sue the impli­ca­ti­ons that this kind of inter­ro­ga­ti­on has for philosophy.

Alen­ka Zupančič ist Pro­fes­so­rin für Phi­lo­so­phie und Psy­cho­ana­ly­se an der European Gra­dua­te School (EGS), an der Uni­ver­si­ty of Nova Gori­ca und am Insti­tut für Phi­lo­so­phie an der Slovens­ka Aka­de­mi­ja Zna­nos­ti in Umet­nos­ti. Neben Sla­voj Žižek und Mla­den Dolar ist sie eine der bekann­tes­ten Ver­tre­te­rin­nen der soge­nann­ten »Lai­ba­cher Lacan-Schu­le«. Schwer­punk­te ihrer For­schung bil­den unter ande­rem das Ver­hält­nis zwi­schen Sexua­li­tät und Onto­lo­gie, die laca­nia­ni­sche Psy­cho­ana­ly­se, der Begriff des Komi­schen, der deut­sche Idea­lis­mus und Nietz­sche. Zu ihren wich­tigs­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen zäh­len: Ethik des Rea­len: Kant, Lacan (Turia + Kant, 1995), The Shor­test Shadow: Nietzsche’s Phi­lo­so­phy of the Two (MIT Press, 2003) und Der Geist der Komö­die (Mer­ve, 2014).

Mode­ra­ti­on: Lucas Pohl

Ver­an­stal­tet vom Ak zeit­ge­nös­si­sche Mate­ria­lis­men und dem Forum kri­ti­scher Wis­sen­schaf­ten (FkW).

Friederike Boll: #metoo – Die Grenzen des Sexualstrafrechts und deren politische (Be-)Deutung

Teil II der Ver­an­stal­tungs­rei­he Dis­play – Gegen­wart im Kontext

6.12.2017 um 19:00 // NG 1741b (IG Neben­ge­bäu­de) //
IG Far­ben Campus

Gewalt ist unver­min­dert All­tag für vie­le Frau­en*, Kin­der und Trans*. All­tag ist sie auch, weil die Gewalt in wei­ten Tei­len gesell­schaft­lich (und staat­lich) ver­harm­lost und tole­riert wird anstatt sie – struk­tu­rell und im Ein­zel­fall – effek­tiv zu bekämpfen.

Letz­tes Jahr wur­de mit viel femi­nis­ti­schem Nach­druck ein neu­es Sexu­al­straf­recht erkämpft, dass dem Grund­satz folgt „Nein heißt Nein“. Auch Stal­king kann inzwi­schen straf­recht­lich ver­folgt wer­den. Und seit eini­gen Jah­ren gibt es das Gewalt­schutz­ge­setz, das Instru­men­te bei Gewalt im sozia­len Nah­raum an die Hand gibt.
Mit dem stra­fen­den Staat also gegen Patri­ar­chat & Sexis­mus? – Da wer­den vie­le femi­nis­ti­sche und anti-ras­sis­ti­sche „Jein, aber’s“ laut. Ein Blick in femi­nis­tisch-mate­ria­lis­tische Rechts­theo­rie und die bit­te­re Rechts­wirk­lich­keit der Straf­ver­fol­gung zei­gen, dass es ein­fa­che Ant­wor­ten nicht geben wird – ein wei­ter so wie bis­her aber defi­ni­tiv auch kei­ne Opti­on ist.

Die Ver­an­stal­tung ver­sucht daher einen Rund­um­schlag: Zunächst wird das der­zei­ti­ge Sexu­al­straf­recht – das auch im Rah­men des Stu­di­ums nicht gelehrt wird – für Jurist*innen und nicht-Jurist*innen ver­ständ­lich dar­ge­stellt. Dann wird der aktu­el­le Dis­kurs zu sexua­li­sier­ter Gewalt und zur Reform des Sexu­al­straf­rechts nach­skiz­ziert. Dabei steht im Fokus der Kri­tik die Mit­tä­ter­schaft des bür­ger­li­chen Rechts­staats bei der Absi­che­rung von unglei­chen Geschlech­ter­ver­hält­nis­sen und sexua­li­sier­ter Gewalt. Abschlie­ßend gehen wir gemein­sam der Fra­ge nach: „Was tun?“ ange­sichts sexua­li­sier­ter Gewalt, einer sexis­ti­schen, patri­ar­cha­len Jus­tiz und ras­sis­ti­scher Vereinnahmungsversuchen.

Frie­de­ri­ke Boll hat Rechts­wis­sen­schaf­ten in Frank­furt am Main stu­diert und arbei­tet u.a. zu Sexu­al­straf­recht. Sie wird als Exper­tin zu dem The­ma einen Input geben und Fra­gen und Dis­kus­si­on­bei­trä­ge beant­wor­ten und kommentieren.

Im Anschluss an den Vor­trag wer­den die Initia­ti­ven gewalt­frei­le­ben und femi­nis­ti­sche philosoph_innen frank­furt in kur­zen Inputs aus ihren aktu­el­len Pro­jek­ten berichten.

Ver­an­stal­tet durch die Gast­pro­fes­sur für kri­ti­sche Gesell­schafts­theo­rie am FB 03 und das Forum kri­ti­scher Wissenschaften.

Zur Rei­he:

Mel­dun­gen über den auto­ri­tä­ren Umbau inner- und außer­eu­ro­päi­scher Staa­ten flim­mern täg­lich über die Bild­schir­me. Welt­wei­te Pro­tes­te und sich immer wie­der neu for­mie­ren­de sozia­le Bewe­gun­gen wer­den in der Pres­se und in sozia­len Netz­wer­ken rund um die Uhr dis­ku­tiert. Eine gesell­schafts­theo­re­tisch infor­mier­te Ana­ly­se die­ser Ereig­nis­se bleibt im gegen­wär­ti­gen öffent­li­chen und media­len Dis­kurs jedoch weit­ge­hend aus.                                                                                                                                                                                                                              Was kön­nen die kri­ti­schen Wis­sen­schaf­ten für das Ver­ständ­nis sol­cher aktu­el­len poli­ti­schen Gescheh­nis­se bei­tra­gen? Anlie­gen der Ver­an­stal­tungs­rei­he ist es, sich in einer offe­nen Dis­kus­si­on mit loka­len Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus unter­schied­li­chen Fach­ge­bie­ten die­se kom­ple­xen The­men zu erschlie­ßen. Dabei soll zugleich das Poten­ti­al kri­ti­scher Gesell­schafts­theo­rie zur Ana­ly­se sozia­ler Ent­wick­lun­gen und Pro­ble­me der Gegen­wart befragt und die Aus­ein­an­der­set­zung mit aktu­el­len poli­ti­schen Fra­gen als Teil der aka­de­mi­schen Pra­xis ver­an­kert werden.

Die aktu­el­len The­men und Referent*innen wer­den jeweils kurz­fris­tig bekannt gegeben.

Zeit:

01.11.2017 + 06.12.2017 + 07.02.2018 // jeweils 19:00 Uhr

Ort:

01.11.2017 // Café auf dem Cam­pus Hop­pen­worth & Ploch („Hopp­lo“) // Sio­li­stra­ße 7, 60323 Frank­furt am Main (auf dem IG Far­ben Cam­pus)    

06.12.2017 + 07.02.2018 // NG 1741b (IG-Neben­ge­bäu­de), Nor­bert-Woll­heim-Platz 1 (auf dem IG Far­ben Campus)

Samo Tomšič: Machtlust. Psychoanalyse und Kapitalismuskritik

Diens­tag, 21. Novem­ber // 19:00 – 21:00 Uhr // Cas 1.811 (IG-Far­ben‑Campus, Nina-Rubinstein-Weg 1, 60323 Frank­furt am Main)

Wenn eine gesell­schafts­kri­ti­sche Aus­rich­tung die Psy­cho­ana­ly­se kenn­zeich­net, dann ist es die Auf­de­ckung des­sen, was Freud das »Unbe­ha­gen in der Kul­tur« nann­te. Damit direkt ver­bun­den ist die Auf­de­ckung der libi­di­nö­sen Aus­beu­tung bzw. der libi­di­nö­sen Ver­an­ke­rung der Macht­ver­hält­nis­se. Die­se Ein­sich­ten Freuds wur­den einer­seits von der Kri­ti­schen Theo­rie auf­ge­grif­fen und fan­den ande­rer­seits in Jac­ques Lacans »Rück­kehr zu Freud« wich­ti­ge psy­cho­ana­ly­ti­sche Wei­ter­ent­wick­lun­gen. Aus­ge­hend von der Lust­pro­ble­ma­tik wird sich der Vor­trag der andau­ern­den Aktua­li­tät der freu­do-lacan­schen Psy­cho­ana­ly­se wid­men. Wie­so braucht die Kri­tik der poli­ti­schen Ökono­mie psy­cho­ana­ly­ti­sche Grund­be­grif­fe (Trieb, Unbe­wuss­tes, Über­tra­gung)? Wie mischt sich Lust über­haupt in die Repro­duk­ti­on der kapi­ta­lis­ti­schen Macht­ver­hält­nis­se ein? Und schließ­lich: Was kann uns die Psy­cho­ana­ly­se über den Auf­stieg des soge­nann­ten Neo­po­pu­lis­mus sagen?

Samo Tomšič pro­mo­vier­te in Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Ljublja­na, Slo­we­ni­en, und ist seit 2011 an der Hum­boldt Uni­ver­si­tät zu Ber­lin tätig. Sei­ne For­schungs­be­rei­che umfas­sen fran­zö­si­sche Phi­lo­so­phie, deut­schen Idea­lis­mus, Epis­te­mo­lo­gie, Psy­cho­ana­ly­se und Sprach­phi­lo­so­phie. Letz­te Ver­öf­fent­li­chun­gen: The Capi­ta­list Uncon­scious. Marx and Lacan (Ver­so, 2015) und Psy­cho­ana­ly­sis: Topo­lo­gi­cal Per­spec­ti­ves (Hg. mit Micha­el Fried­man, Tran­script, 2016).

Mode­ra­ti­on: Lucas Pohl

Ver­an­stal­tet vom Ak zeit­ge­nös­si­sche Mate­ria­lis­men und dem Forum kri­ti­scher Wis­sen­schaf­ten (FkW).